Warum brauchen Pflanzen Dünger? Die 14 wichtigsten Pflanzennährstoffe einfach erklärt

12 Uhr, der Magen grummelt – Zeit für die Kantine oder aktuell die eigene Küche. Wir alle müssen nach ein paar Stunden körperlicher Leistung die dabei verbrauchten Nährstoffe wieder aufnehmen. Am besten durch gesunde und abwechslungsreiche Ernährung. Was dem Menschen gut tut, kann auch der Pflanze nicht schaden.

Auch jede Pflanze braucht Nährstoffe, um zu wachsen und zu gedeien. Der oft geglaubte Irrtum, Erde, Wasser und Sonne würden genügen, um Topfpflanzen zu wahren grünen Ungetümern im Wohnzimmer zu machen, hält sich hartnäckig. Auch der kleine Tomatenstrauch am Balkon kann nicht ohne Weiteres zur Dauergrundlage für den Tomatensaucen-Export an Freunde und Bekannte werden. Zwar können Pflanzen aus Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Sonnenstrahlen Sauerstoff und Glucose herzustellen, dennoch benötigen auch unsere grünen Freunde Nährstoffe, um gesund zu wachsen. Und die Erde in der die Pflanzen stehen, reicht leider oftmals nicht mehr aus, um die hohen Ansprüche der Pflanzen an Nährstoffen zu decken.
Welche dies sind, und warum jede Pflanze auf Nährstoffe angewiesen ist, wollen wir hier klären.

Zurück in die Schule – aber nur kurz

Nochmal kurz ein kurzer Rückblick in den Chemie-Unterricht der Schule – wirklich nur ein ganz kurzer. Denn die folgende Formel ist schon alles, was wir uns merken müssen:

6 H2O + 6 CO2 + Sonnenlicht = 6 O2 + C6H12O6


oder einfacher

6 Wasser + 6 Kohlendioxid + Sonne = 6 Sauerstoff + Glukose


Das ist die magische Formel, die unser aller Leben auf dieser Erde ermöglicht. Ohne Sauerstoff (O2) könten wir den Sonntagsspaziergang nicht wirklich geniessen. C6H12O6 steht für Glukose, das manche Erwachsene in Form von Traubenzucker, z.B. nach einer Blutabnahme von der netten Arzthelferin bekommen.
Der Traubenzucker wird von der Pflanze entweder in Früchten eingelagert oder langfristig z.B. in Erdknollen (Kartoffel, Karotten, etc) als Stärke gespeichert.
Soweit der abstrahierte chemisch-physikalische Vorgang. Man könnte das jetzt auch mit dem Essen beim Menschen vergleichen: Wasser und Brot – nun ja, bekommt man keinen Astralkörper davon und schmecken tuts ohne die Nussnougatcreme auch nicht wirklich.
Mit jedem Ernten werden der Pflanze aber diese eingelagerten Nährstoffe entzogen. Auf die Dauer wird so also dem Nährsoffkreislauf mehr entzogen als zugeführt – es entsteht eine Mangelversorgung.
Welche zusätzlichen Nährstoffe braucht also die Pflanze, um gesund und schön grün zu werden?

Haupt- und Spurennährstoffe

Wir unterscheiden hier in Haupt – und Spurennährstoffe, als Nährstoffe die unbedingt in größeren Mengen vorhanden sein müssen, und solche, dir auch in geringen Mengen genügen.

Hauptnährstoffe (Makronährstoffe)

  • Stickstoff (N)
  • Phosphor (P)
  • Kalium (K)
  • Magnesium (Mg)
  • Calcium (Ca)
  • Schwefel (S)

Stickstoff (N)

Stickstoff wird von Pflanzen vor allem für das Wachstum und die Bildung von Blättern und Stängeln benötigt. Vorallem junge Pflanzen sind auf ausreichende Mengen Stickstoff angewiesen.
Pflanzen nehmen Stickstoff aus dem Boden hauptsächlich in Form von Nitrat auf. Vielfach hört man hier von Starkzehrern, Mittelzehrern und Schwachzehrern – jenachdem wie viel Stickstoff von der Pflanze benötigt wird und verstoffwechselt werden kann. Viel Stickstoff brauchen z.B. Kohlarten, Kürbise oder Gurken.

Ein Überschuss zeigt sich durch besonders dunkelgrüne Pflanzen, lange, dünne und schwache Triebe und schwammiges Pflanzengewebe. Die Pflanzen sind wesentlich anfälliger für Krankheiten und Schädlingsbefall. Empfindliche Pflanzen wachsen nicht mehr oder sterben sogar ab. Ein zuviel an Stickstoff fördert auch eine Nitrat-Anreicherung in der Pflanze.

Ein zuwenig von Stickstoff kommt seltener vor als ein zuviel. Vorallem dichte, staunasse Büden können eine Stickstoffunterversorgung aufweisen. Der Mangel zeigt sich in Form von schwachem Wachstum (Zwergwüchsigkeit) und kleinen Blättern und schlechter Bewurzelung. Die Blätter werden gleichmäßig hell bis gelb, beginnend bei den älteren Blättern. Auch die Früchte solcher unterversorgten Pflanzen fallen dann kleiner aus. Durch eine Stickstoff-Unterversorgung ist auch die Aufnahme anderer Nährstoffe wie Phosphor, Kali, Magnesium und anderer Spurennährstoffe eingeschränkt.

Phosphor (P)

Phosphor ist u. a. bedeutsam für die Zellfunktionen sowie für den Aufbau der Zellmembran und wird vor allem auch in der Photosythese benötigt. Phosphor ist auch wichtig für die Bildung von Blüten und Früchten, fürs Wachstum von Keimwurzeln sowie von Samen und Chlorophyl. Ein weit verzweigtes und kräftiges Wurzelsystem geht auch auf eine gute Versorgung mit Phosphor zurück.

Phosphorüberschuss führt zu einem Eisenmangel in der Pflanze, da sich der überschüssige Phosphor mit dem Eisen verbindet und so von der Pflanze nicht mehr aufgenommen werden kann.

Phosphormangel zeigt sich bei der Pflanze in Form von Wachstumsstörungen (schlechter Wuchs) und einer dunklen Färbung an älteren Blättern. Lang anhaltender Phosphormangel führt zu einer rötlichen Färbung der Blätter.
Phosphormangel ist im Garten aber eher selten, die meisten Böden sind mit Phosphor überversorgt.

Kalium (K)

Kalium ist wichtig für die Regulierung des Wasserhaushaltes, der Festigung des Zellgewebes, der Erhöhung der Frosthärte und der Aromabildung von Obst und Gemüsen sowie deren Lagerfähigkeit. Es ist für ein gesundes Wachstum also genauso wichtig wie Stickstoff und Phosphor. Generell fördert Kalium die Photosynthese sowie den Transport von Zucker, Stärke und Zellulose. Ebenfalls steigert Kalium die Wurzel- und Knollenbildung sowie deren Lagerhaltbarkeit.
Kalium ist im Boden an Tonminerialien gebunden und kann deshalb bei sandigen Böden in zu geringem Maße verfügbar sein.

Kaliummangel bewirkt einen gestörten Wasserhaushalt bei der Pflanze. Blätter hängen zum Beispiel trotz genügend Wassers schlapp herab. Kaliummangel führt zu schlechterer Resisstenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen, Früchte und Triebe reifen nur sehr schlecht aus.
Geschmack und Haltbarkeit von Obst und Gemüse sind verringert, der Vitamingehalt verringert sich. Platz- und Risswunden bei Radieschen, Kohlrabi und Tomaten können leichter auftreten.

Ein Überschuss kommt eher selten vor, zeigt sich aber z.B. in einem Vergilben der Blätter.

Magnesium (Mg)

Magnesium wird von der Pflanze für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt, es ist der wichtigste Baustein der Blattgrünbildung (Chlorophyll) und fördert die Geschmacksbildung bei Früchten. Der Magnesiumgehalt des Bodens hängt stark vom Ausgangssubstrat der Bodenbildung ab. Tonreiche Böden haben z.B. einen höheren Gehalt an Magnesium als sandige Böden.

Einen Mangel erkennt man oft an klein bleibenden Früchten. Ältere Blätter werden fleckig und von der Blattmitte her hell bis gelblich, während die Blattadern dunkelgrün bleiben. Die Blätter können vom Rand her braun werden und eintrocknen. Es kommt zu verminderter Wurzelbildung.
Magnesiummangel tritt recht selten auf, da die meisten Gartenböden gut mit Magnesium versorgt sind. Sollte eine Unterversorgung vorhanden sein, kann diese leicht mit Bittersalz ausgeglichen werden.

Magnesiumüberschuss ist eher selten. Dennoch sollte man mit der Gabe aufpassen: ein zuviel an Magnesium kann zu einem Calciummangel führen.

Calcium (Ca)

Calcium sorgt in der Pflanze für die Versteifung der Zellwände, unterstützt die Zellstreckung und fördert die Funktionsfähigkeit und Stabilität der Zellmembran. In den meisten Böden ist ausreichend Calcium enthalten, das den Bedarf der Pflanzen decken kann. Ausnahme sind sehr stark saure Böden. Hier kann eine spezielle Gabe von Kalk (nichts anderes ist Calcium chemisch gesehen) den pH-Wert des Bodens verbessern. Diese Düngung wirkt sich auch positiv auf die Durchlüftung und Krümeligkeit der Erde aus. Auch die Verfügbarkeit anderer Nährstoffe wird durch Calcium verbessert.


Calciummangel kann zur Chlorose an jungen Blättern und gestörtem Wachstum führen. Auch bei einem Überangebot von Magnesium und Kalium wird Calcium nicht in ausreichender Menge von der Pflanze aufgenommen. Besonders bei Kamelien, Azaleeen oder Zitrusgewächsen im Topf können die Blätter bei zu kalkhaltigem Gießwasser dann gelb werden. In Gartenböden sollte Calciummangel eher selten auftreten, die meisten Böden sind gut mit Calcium versorgt.

Calciumüberschuss kann zum Abbau von Humus führen. So werden kurzfristig zwar viele Nährstoffe freigesetzt, langfristig laugt man aber den Boden aus.

Schwefel (S)

Üblicherweise sind Pflanzen somit immer ausreichend mit Schwefel versorgt. In vielen Kunstdüngern, aber auch zB. in Hornspänen ist reichlich Schwefel enthalten. Schwefel ist bedeutsam für den Chlorophyllhaushalt, die Bildung von Vitaminen und Proteinen. Schwefel sorgt für die Reduktion des aufgenommenen Nitrats und sorgt damit für eine effiziente Nutzung des Stickstoffs.
Schwefelüberschuss schädigt zwar die Pflanzen nicht direkt, kann aber Probleme durch die damit verbundene Versauerung des Bodens durch Absenkung des pH-Wertes verursachen.
In den seltenen Fällen, dass eine Pflanze Schwefelmangel erleidet, erkennt man dies an dünnen und holzigen Stängeln sowie jungen Blättern mit hellgelber Farbe.

Spurennährstoffe

Spurenelemente bzw. Spurennährstoffe wie Eisen, Kupfer, Bor, Zink, Mangan und Molybdän werden lediglich in geringen Mengen benötigt. Ob und wieviel die Pflanze davon für welche Vorgänge braucht, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Mit Sicherheit ist es so wie beim menschlichen Dünger-Lieferanten: auch hier sind Spurenelemente in der Nahrung wichtig. Eine einseitige Versorgung der Pflanze mit reinen N-P-K-Düngern ist somit langfristig sicherlich zu kurz gegriffen. Hier könnte eine Düngung mit organischen Düngern eine Vollversorgung mit allen notwendigen Spurennährstoffen sicherstellen.
Eine Daumenregel besagt, dass sich Probleme mit Überschüssen von Nährstoffen zuerst an den älteren Blättern zeigen, während bei einem Mangel eher die jüngsten Blätter betroffen sind.

Eisen (Fe)

Eisen ist für die Bildung von Blattgrün und die Fotosynthese wichtig. Ein Eisenmangel zeigt sich durch eine gestörte Energiegewinnung, die Pflanzen zeigen Wachstumsstörungen. Durch die mangelnde Bildung von Chlorophyll nehmen die Blätter eine gelbliche Farbe an. Bei hohem Kalkgehalt des Bodens oder bei Staunässe kann die Verfügbarkeit von Eisen eingeschränkt sein. Das verwundert, denn Eisen ist der am meisten vorkommende Mikronährstoff in den heimischen Böden. Es kann aber je nach Bodentyp nur sehr schlecht von der Pflanze aufgeschlossen und verwendet werden.

Kupfer (Cu)

Kupfer ist bedeutsam für die Photosynthese, ist beteiligt an der Proteinsynthese, der Blütenbildung und aktiviert Enzyme. Kupfermangel führt zum Absterben junger Blätter (Nekrosen), zu mangelnder Samen- und Fruchtausbildung und gehemmtem Wachstum. Zu Kupfermangel kommt es bei zu starken Kalkgaben und bei sandigen Böden.
Ein Mangel an Kupfer macht sich bei vielen Pflanzen durch welke und zusammengerollte oder entfärbte Blätter bemerkbar.

Bor (B)

Bor ist ein Bestandteil der pflanzlichen Zellwand und ist wichtig für die Zellteilung und die Zellstreckung. Ein Mangel an Bor führt zu einer Verminderung des Pflanzen- und Wurzelwachstums und wirkt sich auf verschlechternd auf die Produktion von Samen aus. Bormangel tritt insbesondere bei sandigen, leichten Böden auf und dort reagieren Kohlarten, Rote Bete und Sellerie besonders empfindlich auf einen Bor-Mangel.

Chlor (Cl)

Chlor wird von Pflanzen als Chlorid benötigt. Das sind bei Pflanzen im Garten insbesondere alle Kohlarten. Ein Teelöffel Koch- oder Meersalz je Quadratmeter ist bei Mangel ausreichend. Aber vorsicht: bei Himbeeren, Bohnen, Kartoffeln, Gurken oder Tomaten wirkt diese zusätzliche Gabe von Kochsalz schädlich!

Mangan (Mn)

Mangan aktiviert Enzyme, fördert die Proteinsynthese und ist bedeutsam für den Hormonhaushalt der Pflanze. Manganmangel bewirkt Chlorosen, geringe Entwicklung der Wurzeln, Wachstumshemmungen und eine geringe Resistenz gegenüber Frost. Die Symptome bei einem Mangel ähneln dem Eisenmangel. Vorallem bei Kernobstarten sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Mangan geachtet werden, ansonsten leidet die Fruchtausbildung und später der Geschmack des Obstes.

Zink (Zn)

Zink steuert verschiedene Stoffwechselvorgänge und ist unerlässlich für die Proteinbildung und die Bildung von Kohlenhydraten. Wie auch beim Menschen fördert ein ausgeglichener Zinkspiegel im Boden die Krankheitsresistenz, als auch die Gesundheit von Samen. Zinkmangel ist in Gartenböden aber eher selten. Er kann auftreten, wenn Böden zu stark gekalkt werden und einen sehr hohen pH-Wert aufweisen.

Molybdän (Mo)

Molybdän aktiviert Enzyme und ist bedeutend für den Stoffwechsel der Pflanze. Molybdänmangel bewirkt Chlorosen, vermindertes Wachstum, Nekrosen und Blattdeformationen.
Molybdänmangel fördert die Bildung von Nitrit im Boden. Vor allem Leguminosen sind auf eine ausreichende Versorgung mit Mo angewiesen. Hier für ein Mangel an Mo zu einem schlechten Wuchs.

Nickel (Ni)

Wurde erst als letzter Pflanzennährstoff erforscht. Die Verfügbarkeit im Boden ist aber mehr als ausreichend, weshalb keine gesonderte Gabe von Nickel erforderlich ist.

Darum sollte man seine Pflanzen düngen

Blätter, Blüten und Früchte entziehen den Pflanzen sowohl eingelagerte Nährstoffe als auch Zucker und Stärke. Werden diese lebenswichtigen Bestandteile nicht wieder nachgeführt, entsteht langfristig eine Mangelsituation. Diese kann durch zielgerichtete Gabe von geeignetem Dünger ausgeglichen werden und die Pflanzen erhalten damit alle notwendigen Nährstoffe, um gesund zu wachsen und ertragreiche Früchte auszubilden.

Oder anhand eines eingängigen Beispiels: Nimmt man aus der Regentonne immer nur Wasser raus, ist irgendwann keines mehr drin. Man muss also wieder Wasser aus der Leitung oder der Zisterne nachfüllen um seinen Garten weiterhin erfolgreich gießen zu können.

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